Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus

Warum ein Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus? Wir sind eine durch Klassismus diskriminierte Minderheit an der Universität Hamburg. Kennst du das Gefühl, anders wahrgenommen zu werden, als die meisten deiner Mitstudierenden aus akademischen Elternhäusern? Findest du es unfair, weniger finanzielle Unterstützung aus dem Elterhaus zu bekommen als andere Studierende? Hast du niemanden in deiner Familie mit Studiumserfahrungen, denn du um Rat fragen kannst? Musstest du dir einen vollkommen neuen Freundeskreis an der Uni aufbauen? Kann dich ein Fachschaftsrat, Studierendenparlament oder AStA überhaupt in allen Fragen vertreten und beraten, obwohl dort deine Probleme nicht aus eigenem erleben bekannt sind? Musstest du härter und mehr lernen, um überhaupt die Chance zu bekommen zu studieren? Willst du auf das Mitleid der finanziell und kulturell besser gestellten Mehrheit im AStA angewiesen sein oder deine Interessen selber zusammen mit anderen Studierenden solidarisch vertreten?

Der Fachschaftsrat Sozialökonomie hat am 14. März 2012 einstimmig beschlossen für eine „Arbeiterkinder-Vollversammlung“ einen Hörsaal zu buchen, was wir im April auch tun sollten. Zu dieser Personengruppen-VV sollten alle Studierenden aus einem nichtakademischen Haushalt eingeladen werden. Wir könnten dann gemeinsam diskutieren, uns persönlich kennenlernen, Anträge und Resolutionsvorschläge einbringen und über diese abstimmen.

Auch das Teilautonome AStA-Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende der Uni Münster unterstützt die Hamburger Initiative zwecks bundesweiter Vernetzung. Aus den bisherigen Rückmeldungen von Studierenden aus nichtakademischen Elternhäusern aus einigen Fachbereichen der Universität Hamburg weiß ich, das diese dort mit ihren spezifischen Problemen ziemlich alleingelassen werden und erst im meinen letzten Aufnahmeprüfungsberatungsgespräch für Arbeiterkind.de stand die Angst den Sprung an die Uni zu wagen und dort dann unterzugehen im Mittelpunkt.

Ein Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus könnte neben der Beratung und Unterstützung von studierenden „Arbeiterkindern“ auch Werbung für den offenen Hochschulzugang ohne Abitur machen, Studieninteressierte kostenlos auf die Aufnahmeprüfungen vorbereiten, Einfluss auf Aufnahmeprüfungen und das Curriculum nehmen, damit die Studiengänge auch ohne Abitur studierbar bleiben/werden z.B. durch Brückenkurse und Einführungsseminare zum wissenschaftlichen Arbeiten und in Kooperation mit Arbeiterkind.de, der Hans-Böckler-Stiftung, dem DGB Campus Office und der GdFF Informationsveranstaltungen durchführen.

Ein Teilautonomes AStA-Referat müsste mindestens einmal im Jahr die Personengruppe „Studierende Arbeiterkinder und Studierende aus nichtakademischen Elternhäusern“ zu einer Vollversammlung und Wahl unserer Vertreter_innen im AStA einberufen, hätte ein eigenes Budget über deren Verwendung wir entscheiden dürften, kann regelmäßige Treffen organisieren und würde ein Büro zur Beratung von betroffenen Studierenden im AStA bekommen.

Weitere Infos findest du bei Arbeiterkind.de, beim Magazin für studierende Arbeiterkinder des Referats für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende des AStAs der Universität Münster, im Buch Klassismus - Eine Einführung, bei Wikipedia - Klassismus und der Hans-Böckler-Stiftung und in der taz.

Wir lassen uns nicht spalten! Bestehende Teilautonome Referate beibehalten – Frauen- und Arbeiterkinderreferate einführen! Wir lassen uns nicht von der klassistischen Mehrheit im StuPa und AStA vorschreiben, ob wir benachteilig werden oder nicht – wir organisieren uns selbst und fordern unser „Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus“ ein!

Roland Sieber

Mitglied im FSR Sozialökonomie und bei ver.di, GEW und Arbeiterkind.de aktiv

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Münsteraner Arbeiterkinder-Referat ist jetzt autonom

Hi,

das münsteraner "Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende" (Arbeiter*innenkinder-Referat) ist nach einer Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern 2003 gegründet worden. Es wurde bereits damals gefordert, dass das Referat auch in der Satzung des Studierendenparlamentes aufgenommen wird, wozu es aber eine Zweidrittel-Mehrheit geben musste.

Ich freue mich, mitteilen zu können, dass gestern nach einem neunjährigen Kampf das Referat in die Satzung verankert wurde. In der dritten Lesung wurde mit 22:0:0 Stimmen dem Antrag der Vollversammlung studierender Arbeiterkinder zugestimmt. Anwesend waren Jusos, Grüne, Unabhängiges Fachschaftenforum und Demokratische Internationale Liste (der RCDS war nicht mehr anwesend).

Die einstimmige Befürwortung ist ein wichtiges Signal, weil sie auch eine Beurteilung der konkreten Arbeit des Referates beinhaltet.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die neue Website des Fikus-Referates hinweisen: http://www.fikus-muenster.de/

Solidarische Grüße aus dem bürgerlichen Münster
Andreas

Arbeiterinnen :)

Hallo zusammen,

auch ich wünsche Euch das beste und viel Erfolg für Eure Initiative!
Ich habe mich viel mit den "ArbeiterInnentöchtern" der 1980er Jahre beschäftigt, die auch sehr kraftvolle und wütende Texte verfasst haben - und ich möchte anregen, die Arbeiterinnen in Eurer Initiative mitzudenken, bzw. zu nennen.

Solidarische Grüße aus Berlin,
ClaraRosa

Teilautonomes AStA-Referat

Hallo,

prima Ansatz!
Wo und Wann kann man sich zu Mitarbeit melden?
Wie erfahre ich die Termine zur Vollversammlung?

Aw: Teilautonomes AStA-Referat

Hallo,

wir haben uns in der vorlesungsfreien Zeit am 21. März bereits zu einem ersten kurzen Vorbereitungstreffen für eine Personengruppen-Vollversammlung getroffen. Darauf haben wir uns auf eine Onlinesammlung von spezifischen „Arbeiterkindern- Problemen“ an der Uni Hamburg und mindestens einem weiteres Vorbereitungstreffen geeinigt.

Zur Onlinevernetzung habe ich den Raum Arbeiterkinder/Studierende a. nichtakademischen H. bei WiSoCommsy angelegt. Du kannst dir bei Commsy einen eigenen Account anlegen oder dich mit deiner STiNE-Kennung einloggen. Wir sehen uns dort!

Unterstützung

Hi,

ich finde eure Initiative großartig und drücke euch die Daumen. Unser Arbeiterkinder-Referat an der Uni Münster wurde damals 2003 gegen die Bedenken bzw. den Widerstand aller Hochschullisten gegründet. Inzwischen ist es akzeptiert und bei den beiden letzten Vollversammlungen erschienen knapp vierzig Arbeiter_innenkinder. Für die Referent_innen-Wahlen gab es sieben Kandidaten.

Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder von Initiativen gehört, die ebenfalls ein Arbeiterkinder-Referat an ihrer Hochschule gründen wollten. In den letzten Monaten gab es in Trier und Siegen ähnliche Bestrebungen. Aber es scheint sehr schwierig zu sein, ein autonomes Referat für Arbeiterkinder_innen-Kinder einzurichten. Zum einen werden grundsätzlich die bestehenden Anti-Diskriminierungsreferate in Frage gestellt, zum anderen wird behauptet, es gäbe keine Arbeiter_innen-Kinder. Aber das Referat in Münster hat gezeigt, dass das Referat sich durchsetzt, wenn es ersteinmal gegründet ist.

Ich wünsche euch viel Erfolg und möchte fragen, ob ihr von außerhalb unterstützt werden möchtet. Ich könnte euren Aufruf im Dishwasher publizieren und würde auch nach Hamburg kommen, um über unsere Erfahrungen zu berichten. Zudem gibt es seit ein paar Monaten einen deutschsprachigen E-Mail-Verteiler von Working Class/ Poverty Class Academics, also von Menschen, die im akademischen Feld tätig sind und aus einem Arbeiter_innen- bzw. armen Umfeld stammen.

Liebe und solidarische Grüße,
Andreas Kemper

Re: Unterstützung

Hallo Andreas,

super das es bei euch läuft. Ja, auch wir haben uns das Arbeiterkinder-Referat an der Uni Münster zum Vorbild für unsere Initiative genommen und auch bei uns gibt es große Widerstände gegen ein solche Referat und die Anerkennung eines möglichen Solches als Anti-Diskriminierungsreferat.

Zudem hören wir das Argument, das wir ja schon den FSR Sozialökonomie haben, aber selbst an der ehemaligen HWP können wir die 40%-Quote über die Aufnahmeprüfung nicht mehr einhalten und die Arbeiter*innen-Kinder werden selbst bei uns immer weniger. Die Arbeiter*innen-Kinder an allen anderen Fachbereichen der Universität Hamburg haben außer der Initiative Arbeiterkind.de überhaupt keine Ansprechpartner*innen und sind nur dürftig bis fast überhaupt nicht in den studentischen Gremien und der Akademischen Selbstverwaltung vertreten.

Unser Aufruf im Dishwasher oder ein Artikel dazu wäre super! :-)

SoliGrüße
Roland